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Strasbourg

Lungenzügig zeitgelupt
hauche ich verkrampft
Schwaden in die lärmig Luft
und Krätze liegt im Hals –
Nebelröhre
ventiliert

Feine Härchen richten sich
auf Hügeln nackter Haut
gegenstromig bebend hin
zu Fensters handbreit Spalt

Ich werf hinaus
mit dürrer Kraft
des Geistes Gegenwart
und flieh verwittert
über Dächer, Stühle deckend Sattelhäute
ziegelschwarz bemooste Pfannen
Birdwalk-Firste, dicht bevögelt
Schlote, Luken, Gaubenwülste
ritterliches Kunstgesims
verschüsselte Mansardenfenster
Wellblechtraufen, Funkantennen
fachgewerkte Zinnengiebel
mediævale, ausgekragte
Erker

Türmlich Glocken schreien
kathedralisch, notre-damisch
rufen mir verzweifelt zu
Dein letztes Stündchen hat
vergessen, was tagelang in deinem
Kopf getanzt
erschöpft, zutiefst verrückt und abgestellt

Und jemand richtet sich
auf im Bett und blickt
und Welten brechen
unverhofft
(kommt oft) in sich
zusammen, vereinen uns im Schmerz –

Alles scheint verloren
vom herben Wind zerfetzt
zerfledert wie ein Taschentuch
in Strassen, Häuserschluchten
an jenem Tag
da dein Geburtstag
war